Über mich

Als Drag Queen Athene Atlas im letzten Jahrtausend in Wien-Meidling das Licht der Welt erblickte, hatten ihre Eltern ihre Zukunft eigentlich schon fix verplant: Business Analyst soll’s werden, g’scheit Geld verdienen – und bitte immer ein „braver Bub“ bleiben.

Tja. Das Schicksal hat andere Pläne gehabt.

„Zuerst lernst du was G’scheites!“

Drag Queen smiling
© Robert Pichler

Frühe Jahre

Athene hat ihre Liebe zur Bühne schon mit fünf entdeckt – Singen, Spielen, Applaus, das volle Programm. Sie wurde an der Kindersingschule des Konservatoriums der Stadt Wien ausgebildet, wo ihre auffällige Stimme und ihre „Ich-steh-hier-und-ihr-schauts-jetzt-zu“-Aura schnell aufgefallen sind. Die Lehrerin wollte sie sogar zu den Wiener Sängerknaben schicken. Die Eltern? Sagen wir: eher Team „solider Lebenslauf“.

Mit sechs stand sie zum ersten Mal auf einer Bühne. Mit vierzehn folgte das Filmdebüt in einem Kurzfilm – später gezeigt im Opernkino Wien. Ganz normaler Teenager-Lebenslauf halt. Eh klar.

2007 kam dann der Moment in der Flucc Wanne (VIE): erste Drag-Performance, erste Offenbarung, einmal komplett durch die eigene Existenz gedreht. Danach war Schule plötzlich eher so… optional.

Und spätestens da war klar:
Business Analyst wird das keiner mehr.
Künstlerin? Leider ja. 

Athene Atlas | Godmother of ALL Queers
Meine erste Drag-Performance in der Flucc Wanne 2007

Jetzt gehen wir meinen Weg

Im Lauf ihrer Karriere hat Athene mit unzähligen Performer:innen aus der Wiener Drag- und Performance-Szene zusammengearbeitet – darunter Mutti, ihre Drag-Schwester Dutzi IjsenhowerSue Philis BakerDoktor Domi Darf DasDenice BourbonPatrick LammerAntisex und viele mehr. (Und ja: Es werden laufend mehr. Wien ist klein, aber dramatisch.)

Von 2011 bis 2014 war sie Teil von Jimmy und die Stricherjungs, einem Wiener Trash-Pop-Projekt, das quer durch Europa getourt ist und 2012 sogar die Mainstage bei der Vienna Pride geheadlined hat. Es gab auch ein ganzes Album. Kein Schmäh.

Zwischen 2012 und 2015 arbeitete Athene als Show-Host bei Radio Energy Austria – mit Morgennews und der Club-Charts-Show. Parallel dazu sprach sie zahlreiche Werbungen ein und war als Voice Actress tätig. Nach der Radiozeit ging’s weiter ins Fernsehen: als Producerin und Synchronsprecherin für einen Home-Shopping-Sender. Glamour auf eine sehr… spezielle Art. 

Athene Atlas | Godmother of ALL Queers
Da moderiere ich grad die NRJ Club Charts 2015, in Boy Drag 😅

Good boy? Not anymore!

2021 outete sich Athene Atlas als Transfrau. Sie begann mit ihrer Hormontherapie und traf eine Entscheidung, die wichtiger war als jede Bühne: ihre mentale Gesundheit endlich ernst zu nehmen. Ihr Weg – inklusive Depression und Burnout – wurde in der Zeitung Heute porträtiert. Offen, ehrlich, ohne Filter.

2022 stand sie beim Slash Film Festival auf der Bühne – gemeinsam mit US-Drag-Royalty Peaches ChristCherry T JoystickLady Nutjob und vielen anderen. Also eh nur ganz casual.

Im selben Jahr gründete sie den Club Atlas im Wiener Underground-Hotspot Marea Alta – und begann dort, ihre eigenen Drag-Events zu hosten. Seitdem wird dort regelmäßig eskaliert. Kunstvoll natürlich.

Athene Atlas | Godmother of ALL Queers
© Gregor Hofbauer

Ever since…

Im Juni 2023 stand Athene im brut (VIE) auf der Bühne – in CUNTin nach Nestervals Stück „Die Namenlosen“. Im selben Sommer wurde sie bei der Puls4-Show „Strip Karaoke“ als Best Performer ausgezeichnet. Und nein, das war kein Zufall.

2024 war dann ein Jahr zum Durchatmen? Haha. Sicher nicht.
Sie co-hostete Wiens größte ESC Party/Drag Show im WUK gemeinsam mit Dutzi Ijsenhower, performte bei der MQ Pride Night im MuseumsQuartier (kuratiert von Daniel Hill) und kuratierte außerdem die erste Ausgabe von „Palace Athene“ im Dschungel Wien – in Kooperation mit dem E Bistarde Festival.

Dazu kamen mehrere „Marea Atlas“-Events im Marea Alta – und im September eine große Magen-OP.

Während Athene sich erholte, übernahm ihre Vertretung Cherry T Joystick das Hosting. Im Dezember feierte Athene dann ihr großes Comeback: mit ihrem traditionellen Christmas-Drag-A-Long im Marea Alta – zum ersten Mal seit der Operation. Und natürlich mit Stil. 

„She is a sweetheart!“ 

Theodor

Und dann wurde es noch größer!

Und zwar mit dem allerersten Vienna Drag Festival – dem größten Festival für Drag Artists im deutschsprachigen Raum. Weil wenn schon, denn schon.

Dass sie trotzdem am Boden geblieben ist, beweist, dass sie nach wie vor persönlich Nachrichten beantwortet, ihre Playlists selber baut und sich nach der Show ganz normal mit einem Spritzer ins Publikum setzt.

Größenwahn auf der Bühne, Wiener Realität danach. So ghört sich das.

Athene Atlas | Godmother of ALL Queers
© Daniel Hill

Was kommt jetzt noch auf euch zu?

Athene Atlas erklärte sich selbst zur Godmother of ALL Queers – und positionierte sich damit als neuer Anker für die Community. Gerade in einer Zeit, in der rechtsextreme Kräfte aktiv daran arbeiten, queeres Leben aus dem öffentlichen Raum zu drängen, ist diese Rolle wichtiger denn je. 😘💚